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Praxisdialog

The Insight: Das Priorisierungs-Dilemma

In unserem Auftaktartikel zu unserem neuen #Praxisdialog zur WärmewendeDie Kommunale Wärmeplanung (KWP) steht – und jetzt?“ haben wir als eine der Kernherausforderungen das Priorisierungs-Dilemma identifiziert.

In unserem heutigen Technik-Insight soll nunmehr ein Überblick gegeben werden, anhand welcher Faktoren Wärmenetzverdichtungs-, -ausbau- oder -neubaugebiete in der Konzept- und Umsetzungsphase zu priorisieren sind.

Da personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen begrenzt sind, können Kommunen und Stadtwerke nicht alle Gebiete gleichzeitig entwickeln. Die Wahl des ersten Projektgebiets beeinflusst die Wirtschaftlichkeit, die Umsetzbarkeit und den langfristigen Erfolg des Wärmenetzes maßgeblich. Eine strukturierte Priorisierung hilft dabei, Risiken zu reduzieren und vorhandene Potenziale gezielt zu nutzen. Die entscheidende Frage lautet: Wo sollte die Umsetzung beginnen?

Die Frage, welches Gebiet zuerst entwickelt werden sollte, ist nur eine von vielen Herausforderungen nach Abschluss der Kommunalen Wärmeplanung.

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Verbraucherstruktur als Schlüsselfaktor 

Eine der wichtigsten Grundlagen für die Priorisierung potenzieller Wärmenetzgebiete ist die Struktur der späteren Wärmeabnehmer. 

Eine hohe Wärmedichte ermöglicht eine bessere Auslastung des Netzes und reduziert die spezifischen Investitionskosten. Ebenso wichtig ist die Anschlussstruktur. Gebiete mit einer Vielzahl potenzieller Abnehmer auf engem Raum bieten meist günstigere Voraussetzungen als weitläufige Siedlungsgebiete. 

Besondere Bedeutung haben die sogenannten Ankerkunden, beispielsweise Rathäuser, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Wohnungsbaugesellschaften oder auch größere Mehrfamilienhäuser. Sie sorgen bei der Projektumsetzung bereits frühzeitig für eine stabile Grundauslastung und erhöhen die Planungssicherheit.

Auch die vorhandene Bebauungsstruktur spielt eine wichtige Rolle. Verdichtete Quartiere lassen sich in der Regel wirtschaftlicher erschließen als Gebiete mit überwiegend freistehenden Einfamilienhäusern.

Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf das Alter der bestehenden Heizungsanlagen. Dort, wo in den kommenden Jahren ohnehin Ersatzinvestitionen anstehen, ist die Bereitschaft für einen Anschluss an ein Wärmenetz oftmals höher. Dies kann die spätere Anschlussquote positiv beeinflussen und die Wirtschaftlichkeit des Projekts verbessern.


Verfügbare Wärmequellen als entscheidender Faktor

Neben der Verbraucherstruktur sollte auch die Verfügbarkeit geeigneter Wärmequellen frühzeitig berücksichtigt werden. Denn selbst ein Gebiet mit günstiger Abnehmerstruktur kann wirtschaftlich unattraktiv werden, wenn keine geeignete Wärmequelle vorhanden ist. Gleichzeitig können besondere Standortvorteile auf der Erzeugerseite – beispielsweise durch verfügbare Abwärme, Geothermie oder eines nahegelegenen Flusses – Nachteile auf der Verbraucherseite teilweise oder sogar vollständig kompensieren. Ein Gebiet mit lediglich durchschnittlicher Verbraucherstruktur kann letztlich die besseren Voraussetzungen für ein wirtschaftliches Wärmenetz bieten als ein Gebiet mit hoher Wärmedichte, aber ohne geeignete Wärmequelle.

Besonders interessant sind dabei die Nutzung von:

  • Industrieller Abwärme
  • Biogas- und Biomethananlagen
  • Geothermie
  • Kläranlagen
  • Flusswasser
  • Grundwasser

Befindet sich ein potenzielles Versorgungsgebiet in unmittelbarer Nähe vorstehender Energiequellen, können sich erhebliche technische und wirtschaftliche Vorteile ergeben.

Gleichzeitig erleichtern diese Potenziale den Aufbau einer langfristig nachhaltigen und klimafreundlichen Wärmeversorgung. Die frühzeitige Berücksichtigung lokaler Wärmequellen kann daher für die Frage ent-scheidend sein, welches Gebiet zuerst entwickelt wird. 


Ohne Akzeptanz kein Wärmenetz

Neben den technischen Kriterien darf ein Faktor nicht unterschätzt werden: Die öffentliche Akzeptanz. Denn ohne ausreichende Anschlussnehmer kann selbst ein technisch hervorragend geplantes Wärmenetz nicht erfolgreich betrieben werden.

Wie Kommunen und Stadtwerke die Akzeptanz und Anschlussbereitschaft gezielt steigern können und welche Maßnahmen sich in der Praxis bewährt haben, werden wir in einem der kommenden Beiträge näher beleuchten.


Fazit & Ausblick 

Die Kommunale Wärmeplanung zeigt auf, wo Wärmenetze grundsätzlich sinnvoll sein können. In der Konzept- und Umsetzungsphase muss jedoch entschieden werden, welches Gebiet die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Projektstart bietet. Eine geeignete Verbraucherstruktur, verfügbare Wärmequellen sowie eine hohe Akzeptanz vor Ort bilden dabei wesentliche Erfolgsfaktoren.

Die Erfahrung zeigt: Erfolgreiche Wärmenetzprojekte entstehen dort, wo technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen frühzeitig gemeinsam betrachtet werden.

Doch wie sieht das rechtliche Fundament das Absatzsicherung aus? Die beste technische Machbarkeit nützt nichts ohne rechtssichere Vorverträge, Anschluss- und Benutzungszwangsatzungen oder Wegerechte. In unserem nächsten Recht-Insight beleuchten wir diese juristischen Kriterien für die Praxis.

Die Rietzler Energiekonzept GmbH und Bühner & Partner Rechtsanwälte mbB begleiten Kommunen sowie Stadt- und Gemeindewerke von Anfang an interdisziplinär und ganzheitlich von der Wärmeplanung bis zur rechtssicheren und wirtschaftlichen Umsetzung konkreter Wärmenetzprojekte.

Sie haben Fragen zur Konzeptionierung oder Umsetzung Ihres Wärmenetzprojektes? Sprechen Sie uns gerne an!